Die Akzente (é è ê ç)
Zusammenfassung
Die französischen diakritischen Zeichen verändern den Lautwert eines Buchstabens oder unterscheiden Wörter in der Schrift; sie gehören zur korrekten Rechtschreibung und sind nicht bloß Schmuck.
Erklärung
Auf dem Buchstaben e legen die Akzente vor allem die Vokalqualität fest. Der Accent aigu é steht für ein geschlossenes /e/, den Laut in été ("Sommer") oder café, mit hoher Zunge und ziemlich gespreizten Lippen gebildet. Der Accent grave è und der Accent circonflexe ê stehen für ein offenes /ɛ/, den Laut in père ("Vater") und fête ("Fest"), mit etwas weiter geöffnetem Mund. Den Gegensatz /e/ ~ /ɛ/ zu hören und zu bilden ist eine der ersten Vokalunterscheidungen, die man lernen muss.
Die Cédille erscheint nur unter dem c, und nur vor a, o oder u, um das c "weich" zu halten, also /s/ statt des sonst dort stehenden harten /k/: français /fʁɑ̃sɛ/, garçon /gaʁsɔ̃/, reçu /ʁəsy/. Vor e und i ist das c bereits weich, daher wird nie eine Cédille geschrieben (ceci, citron). Das Trema (ï, ë, ü) bewirkt das Gegenteil von Verbinden: Es zeigt an, dass ein Vokal getrennt vom vorhergehenden gesprochen wird, sodass Noël /nɔ.ɛl/ zweisilbig ist und naïf /na.if/, kein einziger verschmolzener Vokal.
Nicht jeder Akzent ändert den Laut. Auf a, u und o sind Grave und Circonflexe oft rein graphisch: Sie unterscheiden Homographen (a "hat" und à "zu/nach", ou "oder" und où "wo", sur "auf" und sûr "sicher", la "der/die" und là "dort") oder markieren einen Vokal, der historisch ein folgendes s verloren hat (hôpital, île, forêt). In diesen Fällen trägt der Akzent eine Rechtschreib- und Bedeutungsinformation, doch der Vokal wird wie ohne ihn gesprochen.
Akzente sind in der französischen Schrift Pflicht, auch auf Großbuchstaben im sorgfältigen Stil (États-Unis, À bientôt). Sie wegzulassen ist ein Rechtschreibfehler und kann das Wort völlig ändern — sale ("schmutzig") und salé ("salzig") oder die Verbform a ("hat") und die Präposition à. Für Lernende sind die praktischen Prioritäten: é als geschlossenes /e/ und è/ê als offenes /ɛ/ aussprechen, die Cédille immer dann setzen, wenn das c vor a/o/u /s/ bleiben muss, und nie einen Akzent weglassen, der zwei Wörter unterscheidet.
Beispiele
un étudiant très fâché — ein sehr verärgerter Student (Geschlossenes é /e/ in étudiant, offenes è /ɛ/ in très; das â in fâché ist nur ein Schriftzeichen.)
Le garçon parle français. — Der Junge spricht Französisch. (Die Cedille erhält das weiche ç /s/ vor o und a: /gaʁsɔ̃/, /fʁɑ̃sɛ/.)
Joyeux Noël ! — Frohe Weihnachten! (Das Trema trennt die Vokale: /nɔ.ɛl/, zwei Silben, nicht /nœl/.)
Il a vu là où il habite. — Er hat gesehen, wo er wohnt. (Der Accent grave auf à/là/où unterscheidet nur Homographen; die Aussprache ändert sich nicht: /a/, /la/, /u/.)
une forêt près de l'hôpital — ein Wald in der Nähe des Krankenhauses (Der Zirkumflex markiert ein verschwundenes s (forest, hospital); ê ist hier offen /ɛ/: /fɔʁɛ/.)
Häufige Fehler
Il a achete une epee.
Il a acheté une épée.
Das Weglassen der Akzente verändert den Klang des Wortes, nicht nur sein Aussehen. Ohne den accent aigu wirken achete und epee, als müssten sie mit einem offenen e oder gar keinem Vokal gesprochen werden; das é in acheté und épée muss als geschlossenes /e/ ausgesprochen werden. Akzente gehören zur korrekten Rechtschreibung, sie sind keine optionale Verzierung: Il a acheté une épée.
Verwandte Regeln
accentsspellingvowelsorthography